
Martina and me at the Banquet.
Photo © by Donna Kato
Mittwoch, 20. Februar 2008.
Um 7 Uhr früh musste ich schon los nach Frankfurt, wo mein Flieger um 11:10 Uhr in Richtung USA abhob. Gegen 15 Uhr Ortszeit landete ich planmässig in Cincinnati, meinem Zwischenstop auf meiner Reise nach Baltimore. Dort angekommen stellte ich gleich fest, dass mein Anschlußflug sich verspätete und ich anstatt viereinhalb nun sechs Stunden warten musste. Eine gute Gelegenheit, mir einen Internet-Zugang zu besorgen und schon ein bischen im Netz zu stöbern, mails zu schreiben und herauszufinden, was mich alles in Baltimore erwarten wird.
Dann um 21 Uhr endlich hiess es “Boarding for Baltimore”. Wir landeten nach etwa 1 Stunde und 15 Minuten in Baltimore, wo ich erst einmal bei einem netten rothaarigen Zollbeamten meinen Pass inspizieren lassen und die Abdrücke meiner beiden Zeigefinger abgeben musste (Homeland Security sei dank). So erfasst und für einreisewürdig befunden schnappte ich mir meinen Koffer, mietete ein Shuttle und startete sogleich in Richtung Hotel. Dort angekommen wartetet auch schon die liebe Martina in der Lobby auf mich und geleitete mich in unser gemeinsames Zimmer, wo ich auspackte und meinen Schmuck für den Gallery Store noch schnell vorbereitete. Gegen 1 Uhr nachts fiel ich dann in einen tiefen, traumlosen Schlaf, aus dem ich leider um 5 Uhr früh aufgrund der Zeitverschiebung schon wieder erwachte.
Donnerstag, 21. Februar 2008
Naja,was solls, dachte ich – nahm ich halt erst mal ein Bad. So erfrischt gings mir schon wieder ganz gut und Martina und ich brachen um 8 Uhr zu unserem ersten Seminar der Konferenz auf.
Noch schnell vorher Für die Gallery einchecken und auf zu Seth Savaricks Seminar “The Polymer Pro Jewelry Studio: Tips, Tools and Techniques for Creating Gallery Quality Work”. EinSeminar, das die professionelle Ausarbeitung unserer Polymer Clay Arbeiten zu handwerklich hochwertigen Kunstwerken zum Thema hatte. Die Morning Sessions gingen von 8:30 Uhr bis 10:00 Uhr, danach gabs ein bischen Freizeit bis Judy Belcher (President NPCG) und Maggie Maggio (Chair, Synergy) die Konferenz eröffneten und das Wort an Kathleen Dustin weitergaben, die in ihrem einstündigen Vortrag einen atemberaubenden Überblick über die Polymer Clay Geschichte gab.
Danach war wieder ein bischen Pause für Mittagessen und Geplauder mit ein paar der fast 250 Teilnehmer. Am Nachmittag gabs dann die erste Panel Discussion im großen Konferenzraum: “Hallmarks of Craftsmanship”. Unter der Leitung von Jeff Dever diskutierten Sarah Shriver, Donna Kato, Alison Lee (craftcast.com) und Rachel Carren über Qualitätsstandards im Kunsthandwerk allgemein und in der Arbeit mit PC im Speziellen.
Weiter gings mit meiner nächsten Klasse: “Beyond the Blend” von Dan Cormier und Tracy Holmes. Dan und Tracy zeigten in ihrem 90 minütigen Vortrag einen großartigen historischen Abriss über das Color-Blending und führten das ganze über in eine augenöffnende Demonstration à la Dan. Wie dieser Mann ein weiteres mal bekannte Techniken durchleuchtet und mit seiner Präzision und Logik in eine neue Dimension kataputiert ist “just amazing”. Ich denke, ein Workshop mit den beiden würde sehr viel Spaß machen (vor allem wegen Tracy – die Frau ist eine Spaßkanone).
Ok, dann wieder – wie schon bekannt – Zeit überbrücken, klönen, Sandwich essen (ja, so richtig gut ernährt hat sich in den 3 Tagen niemand) und Leute treffen bis zum nächsten Seminar um 19:30 Uhr: “Earring Design” von Kathleen Dustin. Sie zeigte anhand einer Bildershow was nach ihrer Meinung gutes Ohrring-Design ist. Ja, die Frau weiss, was Qualitätsarbeit ist. Kathis Seminar endete um 21 Uhr und Martina und ich machten uns mit Sarah Shriver, Grant Diffendaffer, Dan Cormier und Tracy Holmes auf den Heimweg zum Hotel, wo wir im Deli-Restaurant den Abend gemeinsam ausklingen liessen.
Freitag 22. Februar 2008
Nach wieder einmal nur etwa 4 Stunden Schlaf gings um 8 Uhr wieder in Richtung BCC (Baltimore Convention Center). Ich hatte mein erstes Seminar mit Sarah Shriver – “A Teachers Quandry”. Sie teilte ihre Gedanken und Strategien über die Konzeption erfolgreicher Workshops und berichtete über ihre Erfahrungen und Erlebnisse als Polymer Clay Teacher. Das Seminar endete in einer erfrischenden Diskussion zwischen Sarah und den Teilnehmern (unter denen sich auch andere Lehrer wie z.b Seth und Donna befanden).
Am späten Vormittag hielt die Grand Dame des Bastelfernsehens Carol Duvall einen ausgesprochen lustigen und spannenden Vortrag zum Thema “Television, Polymer Clay and Me”.
Danach öffnete der Gallery Shop seine Pforten und was soll ich sagen, ich hab mich arm gekauft. Eine Kette von Grant Diffendaffer, ein paar Ohrringe von Elise Winters, eine Kette von Maggie Maggio und einen Pin von Kim Korringa. Nun hatte ich zwar fast kein Bargeld mehr aber die Genugtuung, dass meine PC-Sammlung um ein paar atemberaubende Stücke reicher geworden ist.

Apropos Sammlung: Innerhalb des Gallery Shops gab es eine Ausstellung der unglaublichen Polymer Clay Sammlung von Holly Mion. Vitrinienweise Kleinodien aus PC – zum Teil sehr alte und auch bekannte Stücke, die wir alle kennen und bewundern. Die zweite Sammlerin vor Ort war Debra Davis, die sich im Gallery Store beim Einkaufen am wenigsten zurückhalten konnte. Sie und Holly schleppten mehrere Tüten gleichzeitig zur Kasse. Und sie hat auch eine Kette von mir gekauft – yay!!!
Nach dem Mittagessen gabs unter der Leitung von Jeff Dever zusammen mit Dan Cormier, Elise Winters und Thomas Mann im großen Saal eine Panel Discussion: “Inspiration, Originality, Infringement”. Hier wurde diskutiert woher Künstler ihre Inspiration bekommen, wie sie neue Techniken entwickeln und wie sie diese verbreiten (oder nicht). Wo ist die Grenze zwischen akzeptabler Influenz anderer Künstler und Piraterie beim Schaffen eines eigenen Kunstwerkes? Wie schützt man seine Ideen.
Die Nachmittags-Session hab ich ausgelassen und bin zur ACC Show spaziert. Zeitgleich zur Konferenz war im gleichen Gebäude die American Craft Show des ACC (American Craft Council) – wow, was eine Masse an ausgezeichnetem Kunsthandwerk. Endlich mal Kathi Dustins Taschen-Kunstwerke und den Schmuck von Stephen Ford und David Forlano “real life” zu sehen war atemberaubend.
Am Abend hatten wir noch eine wirklich super witzige Session bei Lindly Haunani: “Teaching 101″. Diese Frau muss man einfach mal erlebt haben. Sie ist profund, informativ und dabei so witzig, dass man Tränen lacht. Sie hat als eine der Pionierinnen des PC in Amerika natürlich auch einiges zu erzählen. Das war Spaß pur und ein gelungener Abschluss des zweiten Konferenztages.
Samstag 23. Februar 2008
Ok, der letzte Konferenztag. Martina und ich starteten mit einer weiteren Session mit Seth Savarick: “From Imitation to Inspiration”. Wie findet man seine eigene Handschrift in der Kunst, wie schaffe ich den Sprung vom Kopieren/Imitieren der Arbeit anderer zum eigenen Stil? Ein wirklich informativer und inspirierender Vortrag.
Danach hatte ich meinen 2-stündigen “Dienst” im Gallery Store, hab kurz was gegessen und bin schnell weiter zu Christie Friesen: “Art Jewelry Designing”. Christie ist ein wahres Energiebündel und hat es geschafft (sie redet extrem viel und schnell) die 90 minütige Session auf 45 Minuten zu komprimieren…*lol*. Sie hat auf extrem unterhaltsame Weise gezeigt, wie sie an ihre Projekte rangeht, was sie inspiriert, wie sie ihre Arbeiten konzipiert und auch umsetzt. Klasse Session, nur zu schnell vorbei;)
Am Nachmittag gabs eine interaktive Präsentation von Tim McCreight: “Design Decisions – Good, Better, Best”. Tim hat es geschafft, über 200 erwachsene Menschen zum Spielen mit farbigen Papierschnipseln zu animieren:) Es ging darum, aus willkürlich gewählten farbigen Formschnipseln ansprechende, dynamische Designs/Icons zu machen. Das hat Spaß gemacht.
Am Nachmittag hab ich noch kurz in Julia Sobers Session hineingeschaut – eigentlich hatte ich keine weitere Session gebucht – und bin dann zurück ins Hotel um mich für das für den Abend angesetzte Bankett fertig zu machen.
Um 18:30 Uhr saßen alle an wunderschön gedeckten, großen, runden Tischen. Bei einem wohlschmeckenden Menü gab es nochmal viel Zeit zum miteinander Reden und Eindrücke auszutauschen. Nach dem Essen hielt Cynthia Tinapple ihre Keynote: Moving Forward – Looking Back in der sie auf unterhaltsame Weise ihre Sicht die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Polymer-Clay-Bewegung weltweit beleuchtete. Die komplette Keynote kann man hier downloaden.
Im Anschluss gab es noch eine Live-Versteigerung einer schönen Kollektion an PC-Kunstwerken vieler Verschiedener Konferenzteilnehmer, die von Tracy Holmes als Auktionatorin abgehalten wurde. Nun stellt euch hier bitte keine dröge Veranstaltung à la Sothebys vor. Tracy hat uns alle so zum Lachen gebracht, dass kein Auge trocken blieb. Ich musst für eine Weile den Saal verlassen um mich wieder zu beruhigen und mein Makeup wieder in Ordnung zu bringen. Diese Frau hat Stand-Up-Comedy-Talent – was für eine Show.
Nach der Auktion hat sich die große Runde eigentlich viel zu schnell aufgelöst, die Board Members waren damit beschäftigt den Saal wieder in Ordnung zu bringen, viele haben sich verabschiedet und einige haben sich verabredet, den Abend zusammen ausklingen zu lassen.
Für uns (Martina und mich) hiess das, dass wir ehe wir uns versahen im Hotelzimmer von Nan Roche zusammen mit dem Who-Is-Who des Polymer Clay eine Fete feierten. Soll ich euch die Nase lang machen und Name-Dropping betreiben? Oder wollt ihr das gar nicht wissen? Egal – ich will jetzt ein bisschen angeben. Mal sehen ob ich das noch zusammen bekomme, wer sich alles in diesem eher kleinen Zimmer getummelt hat: Lindly Haunani, Nan Roche, Donna Kato, Karen “Klew” Lewis, Maureen Carlson, Maggie Maggio, Sarah Shriver, Seth Savarick, Dan Cormier & Tracy Holmes (und Klein-Griffin), Grant Diffendaffer, Kim Korringa, Kim Cavender, Holly Mion, Leslie Blackford, Julia Sober, Judy Belcher, Elisabeth Bonura mit einer Freundin, die ich allerdings nicht kannte und Martina und ich. Ich glaube ich hab alle, oder Martina?
Um drei Uhr nachts mussten wir das Gelage dann wegen empörter Hotelzimmernachbarn auflösen und wir beide sind müde in unsere Bettchen gefallen;)
Sonntag, 24. Februar 2008
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotelrestaurant haben wir (Martina und ich) uns dann in Richtung Convention Center aufgemacht um die ACC Show zu sehen. Nochmal drei Stunden Füße wund laufen mit vielen OOOHs und AAAHs, eine nette Unterhaltung mit Ford und Forlano (die beiden hatten grade nicht so viel Betrieb am Stand und haben bereitwillig mit uns geplauscht), dann raus aus der Show ab in den Beadstore ein paar Blocks weiter, zurück zum Hotel Koffer schnappen und mit dem Shuttle zum Flughafen. Uff. Endlich Ruhe! Falsch gedacht! Mein Flieger hatte 40 min Verspätung und ich hab den Anschlussflug in NYC verpasst. Also noch mal umbuchen, noch mal 2 Stunden warten, mit der Air France nach Paris statt mit Delta nach Frankfurt und dann endlich am Nachmittag von Paris nach Frankfurt, 6 Stunden später als geplant. Wow, was ein Trip.
Trotz aller Strapazen hat sich das ganze mehr als gelohnt. Wir hatten haufenweise Spaß, haben viele neue Eindrücke gewonnen, viel dazugelernt und werden wohl auch noch lange davon zehren können.
Leider keine Bilder zum Illustrieren des Berichts, da ich am ersten Tag meine Kamera verloren hab.
Auf polymerclaydaily.com und polymerclaynotes.com , auf www.donnakato.com und diversen blogs gibts auch noch einiges zu lesen und vor allem Bilder zu sehen.
Ich hoffe, der Roman war nicht zu lang, aber es gab eben viel zu erzählen;)
Sorry, no english version – but I guess there is lots of reading material in all the american blogs out there:) Thanks for understanding.





